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Vom tragbaren Werkzeugkasten zum Werkstattanhänger

Logistik – ein Buch mit sieben Siegeln für die einen, ein großes Spielfeld für andere. Die Fachgruppe (FGr) Logistik ist eine THW-eigene Fachgruppe, die sich insbesondere bei größeren Schadenlagen um die Versorgung der THW-Angehörigen und Reparatur unserer Fahrzeuge kümmert. In jedem Regionalbereich ist sie deshalb einmal disloziert. Kirsten Weber ist 1979 zum THW gekommen, ein „Logistiker mit Herzblut“ und als Leiter Logistik im System Bereitstellungsraum 500 Nord (BR 500) aktiv. Zudem vertritt er den Landesverband Bremen, Niedersachsen in der Facharbeitsgemeinschaft Logistik. Ein kleines Gespräch mit ihm über die Bedeutung der FGr Logistik, woher sie kommt und was das besondere an ihr ist.

Was macht Logistik im THW für dich so besonders?

Logistik im THW macht für mich die Vielfalt des Einsatzspektrums im In- und Ausland aus. Die Zusammenarbeit mit anderen THW Einheiten, aber auch mit anderen Organisationen und das Netzwerk, welches es zwischen den einzelnen Logistikeinheiten gibt. Nicht nur auf Landesverbandsebene, sondern auch bundesweit. 

Wie bist du damals zu der FGr gekommen?

Nach meiner Jugendgruppenzeit Ende der 1970iger Jahre wurde ich in den damals noch vorhandenen Verbrauchsgütertrupp eingesetzt. Daraus ist dann mit dem Neukonzept des THW Mitte der 1990er Jahre die Fachgruppen Logistik hervorgegangen, der ich heute noch immer angehöre. 

Was hat sich im Vergleich zu damals geändert?

Die Ausrüstung der Logistik ist moderner und das Aufgabenspektrum ist mehr und umfangreicher geworden. Das soll jetzt nicht heißen, dass die Ausstattung auf dem Stand der aktuellen Technik ist. Nein, aber im Gegensatz zu früher wurde schon etwas getan. Früher zogen wir noch mit den tragbaren Werkzeugkisten in den Einsatz. Heute ist dies ein Werkstattanhänger und beinhaltet auch mehr Spezialwerkzeuge als früher. Auch ist der Fuhrpark den Aufgaben der Logistik angepasst. Früher hatte man einen Mannschaftslastwagen I und heute besteht die Fachgruppe aus einem Kipper mit Ladekran, Werkstattanhänger, Ladebordwand und Mannschaftslastwagen V. 

Was in der Logistik damals wie heute geblieben ist, sind die gesetzlichen Bestimmungen die im Laufe der Jahre immer mehr wurden und die durch die Einheit umgesetzt werden müssen. 

Was macht den Charme der FGr Logistik aus?

Organisationstalent, Improvisation und die Teamfähigkeit prägen die Logistik sehr stark. Auch wenn die Logistik  in den Einsätzen nicht an vorderster Front agiert, ist sie aber maßgeblich am Erfolg des Einsatzes beteiligt. Das „Rundum-Sorglos-Paket“ wird durch die Logistik geschnürt, so dass andere Einheiten sich auf ihre eigentlichen Einsatzaufgaben konzentrieren können und sich nicht zusätzlich um Versorgung und Beschaffung Gedanken machen müssen.

Logistik beschränkt sich nicht nur auf die Verpflegung, sondern auch auf Materialerhaltung, Bevorratung von Material und Verbrauchsgütern, Betriebsstoffen, Beschaffungen und Transporte. Jeder Helfer und jede Helferin ist froh, wenn man gut versorgt wird, aber auch wenn man sich nicht um den Nachschub oder die Reparatur von Geräten und Fahrzeugen kümmern muss.

Gerade bei Großeinsätzen wie z.B. Elbehochwasser konnten alle Einheiten sich auf die Professionalität der Logistiker verlassen. Auch sollte nicht vergessen werden, dass Logistiker in den für den Auslandseinsatz bestimmten Einheiten und im BR500 eine entscheidende Rolle spielen, die den Logistikern sehr hohe Kompetenz und Know How abfordern. 

Wie läuft die Ausbildung im Bereich Logistik?

Die Ausbildung findet für jeden erst mal im Ortsverband statt, an dem man die Handhabung und den Umgang mit dem vorhandenen Gerätschaften der Fachgruppe erlernt und auch in den Aufbau eines Logistikstützpunktes eingewiesen wird. Hinzu kommen der Umgang und die technische Ausbildung an Fahrzeugen und Geräten der Fachgruppen. Man kann nur das reparieren, wenn man auch weiß, wie es funktioniert. 

An den Ausbildungszentren des THW in Hoya und Neuhausen werden zudem Lehrgänge angeboten, die die Ehrenamtlichen weiter qualifizieren, wie z.B. Ladungssicherung, Ladekranfahrer, Feldkochlehrgänge, Sachkundiger Logistik und vieles mehr. Die Lehrgänge an den Ausbildungszentren enden mit Lehrgangsbescheinigungen. Manche dieser Ausbildungen finden bei den Arbeitgebern sehr große Befürwortung, da das Erlernte im Betrieb Anwendung finden kann und dieser den einen oder anderen Kurs sich für seine Angestellten sparen kann. 

Welche besonderen Aktionen bietet der Landesverband (LV) seinen Logistikern?

Vom LV erhalten die Logistiker gerade bei uns große Unterstützung aus der Dienststelle heraus. So treffen sich einmal im Jahr die Leiter und Truppführer der Logistik mit einem Vertreter der LB-Dienststelle. Zu diesem Termin werden verschiedenen Themen wie z. B. Beschaffungen besprochen. 

Auch wird einmal im Jahr einen standortverlagerte Ausbildung durchgeführt, woran alle Logistikeinheiten des LV teilnehmen. Bei diesen Übungswochenenden werden Ausbildungen angeboten, die im OV nicht immer durchgeführt werden können. Diese wird durch den LV tatkräftig unterstützt. Diese Veranstaltungen stärken das Netzwerk der Logistiker innerhalb des LV, was bereits zu gegenseitiger Unterstützung nicht nur in Einsätzen geführt hat. 

BR 500 als Stichwort: Wie gut siehst du uns im Bereich Logistik aufgestellt?

Gerade im BR 500 kommt die gesamte Bandbreite und Komplexität der Logistik zum Tragen. Hier sind aus zwei Länderverbänden Logistiker in den Bereichen Führung, Materialerhaltung, Verpflegung und Verbrauchsgüter tätig.  

Ausbildung hat einen großen Stellenwert und es wird regelmäßig das Zusammenspiel geübt, damit alle ihre Aufgeben kennen. Dies trägt wesentlich zum Erfolg des BR 500 bei, da sich die Helferinnen und Helfer, die den BR betreiben, untereinander inzwischen sehr gut kennen und somit auch gut zusammen arbeiten. Wenn man sich kennt, wird manches einfacher und vor allem im Aufbau schneller. Gerade hier zählt der Faktor Zeit, der so gering wie möglich gehalten werden muss. 

Nutznießer sind die Einsatzkräfte, die in einem BR untergebracht werden. Gerade hier sollten wir zusehen, dass die untergebrachten Kräfte -entsprechend den Umständen- gut betreut werden. Hier ist wichtig, dass die Ausstattung entsprechend passt. Der BR greift auf bereits vorhandene Materialien der Logistikeinheiten, die sich dem BR angeschlossen haben, zurück. Es wurde aber auch zusätzliches Material und Gerät angeschafft, welches nicht in der StAN der Logistik steht, damit die besonderen Anforderungen, die ein BR mit sich bringt, auch entsprechend abgearbeitet werden können. 

Wie wird sich deiner Meinung nach der Bereich Logistik im THW weiter entwickeln?

Ich denke die Logistik ist ein wesentlicher Bestandteil im THW, der - wie bereits erwähnt - zum Einsatzerfolg einen großen Beitrag leistet. Somit muss es das Ziel sein, die Einheit auch entsprechend ihren Aufgaben auszustatten und zu unterstützen. 

Gerade werden in der Facharbeitsgemeinschaft Logistik aufgrund des neuen Rahmenkonzepts die Einsatzschwerpunkte der Einheit aufgearbeitet. Dazu gehören Einsatztaktik und selbstverständlich auch die Ausstattung. Wesentlicher Punkt ist die Neuaufstellung der Fachgruppe, die zum Fachzug werden soll. In dem ist auch eine Gruppenerweiterung um Transport und Verbrauchsgüter vorgesehen. 

Auch müssen die Helfer entsprechend ihren Aufgaben geschult werden. Hierzu, so sehe ich es, muss das Lehrgangsangebot an den Ausbildungszentren speziell für Logistiker erweitert werden, da die Aufgaben immer komplexer und das Know How, welches auch immer mehr wird, vermittelt werden muss. Die Logistik ist aus dem THW nicht weg zu denken. 

Was könnt ihr im Bereich Logistik den Einsatzkräften bieten, was sie nicht woanders bekommen können?

Gut, die Logistik kann nicht unbedingt mit spektakulären Einsätzen wie Hauseinstürzen, Bootfahren, Abstützarbeiten und Sandsackverbau am Elbdeich dienen, welche bei dieser Größenordnung die eingesetzten THW Kräfte ins Fernsehen bringt. Aber sie wird immer maßgeblich an diesen Einsätzen beteiligt sein. Zwar im Hintergrund und nicht medienwirksam, aber genauso wichtig wie die anderen Einheiten. 

Ich sehe einfach das THW mit seinem Zahnrad im Logo als ganzes. Und wenn aus dem Zahnrad ein Zahn fehlt, dreht es sich nicht mehr. Eins von den Zähnen ist die Logistik, die das Rad am Drehen hält.

Danke schön!  

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